Der Himmel der Nacht der Eiffelturm-Einweihung
Am 31. März 1889 bestieg Gustave Eiffel die 1.710 Stufen seines Eisenturms und hisste die französische Trikolore auf dem Gipfel, 300 Meter über dem Marsfeld. An diesem Abend durchstieß das höchste Bauwerk, das je von Menschenhand errichtet wurde, zum ersten Mal den Pariser Himmel. Diese Sternenkarte fängt das Firmament ein, wie es sich über dieser kühnen Metallspitze entfaltete — ein Himmel, den die Pariser mit einer Mischung aus Staunen und Stolz betrachteten.
Historischer Kontext
Am 31. März 1889 unternahm ein siebenundfünfzigjähriger Mann mit sorgfältig gestutztem Bart den symbolträchtigsten Aufstieg in der Geschichte der Architektur. Gustave Eiffel, begleitet von einer Handvoll Würdenträger und Ingenieure, bestieg die 1.710 Stufen des Turms, der seinen Namen trug — denn der Aufzug war noch nicht in Betrieb. Auf jedem Absatz wurde das Panorama von Paris weiter. Auf dem Gipfel, atemlos aber strahlend, entrollte er eine riesige französische Trikolore im Märzwind. Ein Kanonenschuss donnerte von der Basis. Frankreich hatte sein Banner am höchsten Punkt der Welt gehisst.
Dreihundert Meter. Im Jahr 1889 war diese Zahl gewordener Schwindel. Der Eiffelturm überragte das Washington Monument — den bisherigen Rekordhalter — um nahezu das Doppelte. Er wog 7.300 Tonnen Puddelstahl, zusammengefügt mit 2,5 Millionen Nieten. Achtzehntausend Metallteile, mit einer Präzision von einem Zehntel Millimeter gefertigt. Zwei Jahre, zwei Monate und fünf Tage Bauzeit. Und kein einziger Arbeiter kam auf der Baustelle ums Leben — eine außergewöhnliche Leistung für die damalige Zeit.
Doch dieses Ingenieurswunder fand keineswegs ungeteilte Bewunderung. Noch vor Baubeginn wurde eine Petition von dreihundert Künstlern und Intellektuellen veröffentlicht — darunter Guy de Maupassant, Alexandre Dumas der Jüngere und Charles Garnier, der Architekt der Oper — in der Zeitung Le Temps. Sie brandmarkten diese «Säule aus verschraubtem Blech», diesen «abscheulichen Metallpfeiler», diesen «tragischen Laternenpfahl», diesen «Metallspargel». Maupassant, so heißt es, aß häufig im Restaurant des Turms zu Mittag — dem einzigen Ort in Paris, wie er sagte, von dem aus man ihn nicht sehen konnte.
Der Turm war für die Weltausstellung von 1889 errichtet worden, die das hundertjährige Jubiläum der Französischen Revolution feierte. Er sollte temporär sein — nach zwanzig Jahren abgebaut. Gerettet wurde er durch seinen wissenschaftlichen Nutzen: Eiffel installierte eine Wetterstation, ein Aerodynamik-Labor und vor allem eine Antenne für drahtlose Telegrafie, die sich als entscheidend für die militärische Kommunikation erweisen sollte.
An diesem Abend des 31. März 1889 bot der Himmel über Paris ein Schauspiel, das Gustave Eiffel selbst von seinem schwindelerregenden Gipfel aus betrachtet haben muss. Die späte Märznacht war kühl und klar. Der astronomische Frühling hatte gerade begonnen, und der Übergangshimmel zwischen Winter und Frühling entfaltete einen besonderen Reichtum.
Im Westen verblassten die letzten Dämmerungsschimmer hinter den Dächern von Passy. Darüber sank das Sternbild Orion zum Horizont hinab, seine Gürtelsterne — Alnitak, Alnilam und Mintaka — geneigt wie ein Abschied vom Winter. Beteigeuze glühte rot an der Schulter des Jägers, während Rigel, blauweiß, seinen Fuß markierte. Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, funkelte tief am südwestlichen Horizont, sein Glanz verstärkt durch die Dicke der durchquerten Atmosphäre.
Höher am Himmel leuchteten die Zwillinge — Castor und Pollux — Seite an Seite, zwei himmlische Brüder, die über die Stadt des Lichts wachten. Der Krebs, unscheinbar, barg in seinem Inneren den Praesepe-Haufen, einen milchigen Fleck, der in klaren Nächten mit bloßem Auge sichtbar war. Der Löwe stieg im Osten empor, Regulus an der Spitze, und kündigte die kommenden Frühlingsnächte an. Und der Große Bär, treuer Begleiter der Seefahrer und Träumer, kulminierte nahezu im Zenit, sein Wagen auf den Polarstern weisend.
Die Milchstraße zog sich von Nordwesten nach Südosten über den Himmel, ein blasser Lichtbogen, den die Pariser von 1889 noch wahrnehmen konnten — die Lichtverschmutzung hatte das städtische Firmament noch nicht ausgelöscht. Die Gaslaternen der Hauptstadt warfen ein sanftes goldenes Licht, ganz anders als der grelle weiße Schein moderner LEDs.
Unten auf dem Marsfeld nahmen die Pavillons der Weltausstellung Gestalt an. Tausende Arbeiter schufteten noch im Laternenlicht. Neunundvierzig Länder sollten an dieser Feier des Fortschritts teilnehmen. Thomas Edison würde seinen Phonographen präsentieren. Buffalo Bill würde seine Wild-West-Show aufbauen. Zweiunddreißig Millionen Besucher würden während der sechs Monate der Ausstellung herbeiströmen.
Aber niemand blickte mit so viel Emotion zum Himmel wie Gustave Eiffel selbst. Von der Gipfelplattform aus, in einer Höhe, die kein Mensch auf einem festen Bauwerk erreicht hatte, schienen die Sterne näher. Die Luft war schärfer, reiner. Das Murmeln der Stadt stieg wie ein fernes Summen empor. Eiffel hatte eine kleine Wohnung auf der Spitze seines Turms einrichten lassen — einen Salon, eine Küche, ein Arbeitszimmer — wo er illustre Gäste empfangen würde, darunter Thomas Edison selbst.
Der Eiffelturm, den seine Kritiker als vergänglich wünschten, wurde zum meistbesuchten Monument der Welt. Mehr als 300 Millionen Menschen haben ihn seit 1889 bestiegen. Er wurde 19 Mal gestrichen, in Tönen von Venezianisch-Rot bis Ockergelb, bevor er sein charakteristisches Braun erhielt. Er diente als wissenschaftliches Labor, als Radioantenne, als Symbol des Widerstands während der Besatzung — als die Aufzugkabel durchgeschnitten wurden, um Hitler zum Treppensteigen zu zwingen, was dieser ablehnte. Er war der Leuchtturm der Stadt des Lichts, bei klarem Wetter aus 80 Kilometern Entfernung sichtbar.
In jener Märznacht 1889, unter den Sternen, die über Paris wachten, erhob sich zum ersten Mal eine eiserne Silhouette gegen das Firmament. Der Metallspargel war zu einem Wunder geworden. Und die Sterne, die an jenem Abend über ihm leuchteten, leuchten noch immer, unveränderlich, und warten darauf, dass Sie ihren Glanz auf Ihrer eigenen Sternenkarte einfangen.